Mittwoch, 16. Juli 2014

Vom Selbstbild und Fremdbild


In der vergangenen Woche bin ich nach langer Zeit wieder mit "meinem Fremdbild" kollidiert. Und mit der Frage: Wie persönlich darf ich anderen gegenüber werden?

Welches Recht habe ich, mir erstens ein Urteil über einen anderen Menschen zu erlauben und darauf aufsetzend, ihn damit zu konfrontieren?
Manchmal braucht es eigene schmerzhafte Erfahrungen mit solchen Themen, 
um sich über sein Verhalten gegenüber anderen klar zu werden.
Ich bin ein Fan davon, an einem negativem Bauchgefühl nicht still zugrunde zu gehen, 
sondern offen anzusprechen, wenn ich ein Problem vermute... 
Eines, dass ICH verursacht habe, eines dass ICH beeinflussen kann.
Wenn ich spüre, dass mir jemand offensichtlich aus dem Weg geht, 
mich schneidet oder sogar missachtet, 
suche ich das Gespräch und möchte wissen, woran ich bin. 
Und ich bin mir von vorn herein darüber im Klaren, 
dass mich die Antwort verletzen könnte. 

Alles ist besser, als unterschwellig permanent unter dem Gefühl zu leiden, 
dass ich jemandem, der mir wichtig ist, 
oder mit dem ich zusammenarbeiten darf/muss/kann/soll, 
durch irgendwas verstört oder verärgert habe.
Und selbst, wenn es dann tatsächlich etwas ist, das in meiner Verantwortung liegt,
kann ich damit umgehen, gelobe mir selbst und je nach Interesse dem Gegenüber Besserung.

Kritik, die sich konstruktiv und sachlich zeigt, kann ich gut annehmen und verarbeiten.
Und genau hier liegt der Knackpunkt. 
"Konstruktiv und sachlich" ist ja eine Sache der Wertung...

Mir wurde neulich "gefeedbackt", ich sei "unglaublich polarisierend".
"Entweder man mag Deine straighte Art total oder man kommt überhaupt nicht mit Dir klar!"
So gehört nach etwa dreistündigem Kennenlernen in einer Gruppe von 14 Teilnehmern.


Puuuuh...

Was bedeutet das jetzt für mich? 
Ganz ehrlich? 
Ich überlege seit 7 Tagen. 
Und ich komm nicht drauf.
Ist das konstruktives, sachliches Feeback?
Jetzt geht euch vielleicht folgende Frage im Kopf herum: 
"Welche Variante galt beim Verfasser des Feedbacks?"

Bin ich verrückt? 

Eine fifty-fifty-Chance für mich, geliebt oder gehasst zu werden und ich versichere mich
vor dem Plenum der tatsächlichen Wahrnehmung? 

Nein. 
So "straight" bin ich dann doch nicht.
Aber im Nachhinein frage ich mich, was diese Aussage bei mir bewirken sollte.
Feedback soll den eigenen blinden Fleck an´s Tageslicht bringen. 
Den kann ich dann beleuchten und im besten Fall so beeinflussen, dass wiederum die Kommunikation MIT und Wirkung AUF meine Umgebung erheblich verbessert werden.

Wenn Dir einer sagt, Du polarisierst, 
ärgerst Du Dich über die 50% der Menschen, 
"deren Ding" Du nicht bist?

Oder freust Du Dich über die Hälfte von all den Menschen, denen Du je begegnen wirst,
die gern ein Stück Ihres Lebens mit Dir geteilt haben, und wenn es nur ein kurzes Gespräch im Bäckerladen war?

Was kann ich verändern? 
Zurückfahren, um angepasster, unauffälliger zu werden? 
Reduziere ich dann nicht beide Pole auf einmal? 
Wer hat dann etwas davon? 
Ich? 
Alle anderen?

Tu ich irgendjemandem weh, wenn ich nicht aufhöre, zu polarisieren? 
Kann ich das überhaupt aktiv steuern, ohne mich selbst zu verlieren?
Ich kann das alles gar nicht beantworten, da ich beschlossen habe, 
in erster Linie ich selbst zu bleiben.
Mein Leben, meine Erfahrungen, die Menschen, denen ich begegnet bin, die Menschen, die ihr kostbares Leben dauerhaft oder sporadisch mit mir teilen und die ich liebe, haben mich zu dem gemacht, was ich bin. 
Was kann ich schon dagegen tun? 
Nicht viel...

Aber ich habe etwas gelernt. Jemanden mit etwas zu konfrontieren, das er nicht ändern kann, weil es seine PERSÖNLICHKEIT ist, 
ist unfair und verletzend.

Es wird selten dazu führen, dass er sich in diesem Punkt ändert. 
Aber er wird sich immer schlecht fühlen, wenn er in Deiner Gegenwart wieder in eine Situation gerät wie die, die Dich zu Deinem Feedback veranlasst hat.

Darum sei großzügig und wertschätzend, konstruktiv und sachlich. 
Und überlege genau, WAS Du gerade kritisierst, Verhalten oder Persönlichkeit.
Deine Umwelt wird es Dir danken.

ICH bedanke mich bei Euch für´s Lesen, das bedeutet mir sehr viel, weil ich eben so bin, wie ich bin.





Eure Dani

Kommentare:

  1. Hallo Dani,

    wir kennen uns ja nicht persönlich, aber dein Post macht dich (mir zumindest) sympatisch.

    Bleib auf jeden Fall du selbst. Alles Andere würde dich nur ungücklich machen. Allen immer Alles recht machen sollen/wollen, das hab ich lange eingetrichtert bekommen, und es hat zu nichts geführt, ausser zu emotionaler Erschöpfung. Man kann es einfach nicht schaffen und da stellt sich auch die Frage - Muss ich es denn überhaupt. NEIN!

    Geniesse dein Leben, deine Kreativität und die Menschen, die dich Lieben genau so wie du bist.

    Liebe Grüsse
    Simi

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    1. Das hast Du toll geschrieben, Simi. Vielen Dank für den Zuspruch. Es ist großartig, Menschen zu "treffen", die ähnlich denken und fühlen. :)

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  2. Klasse Worte! Besser hätte ich es nicht ausdrücken können. Ich mag deine Art, wie du denkst und fühlst, zumindest von dem, wad ich hier über dich lese. Bleib so. Und Fehler mal einzugestehen ist keine Schwäche, sondern enorme Stärke. Viele können es gar nicht. Leider ... Alles Liebe und Gute, Jana

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  3. Danke, liebe Jana. Es fühlt sich gut an, sowas Liebes von anderen "gesagt" zu bekommen. Und ich sehe das genauso wie Du. Lieber mal einen Gang zurückfahren und darüber nachdenken, was man besser machen kann, als was man ANDERS machen soll. :)

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  4. Schöner Post!
    Wie schon gesagt, man kann es nie allen recht machen. Selbst die liebenswürdigsten Wesen werden von einigen genau dafür gehasst. Ich will sagen, du kannst nur im beschränktem Maße beeinflussen wie man über dich denkt, weil es auch immer mit der Betrachtungsweise, dem Charakter oder einfach der Laune deines Gegenüber zu tun hat.
    Wenn du deine Mitmenschen und Freunde achtes und über sie nachdenkst (so wirkst du) ist das schon sehr viel und mehr als viele andere tun. Du willst einem Gegenüber nichts Böses und wenn sie doch einmal etwas falsch verstehen, bist du ja scheinbar auch sensibel genug um es zu bemerken und mutig genug um es klar zu stellen.
    Zu viel denken macht alles nur unnütz kompliziert. Ok, man muss nicht alles ansprechen. Nichts sagen ist oft ein besserer Weg und man kann auch auf negative Seiten wortlos hinweisen indem man Positive betont.

    Liebe Grüße

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  5. Liebe Dani,
    ich glaube, man muss sich selbst treu sein und
    halt immer ehrlich. Jedem passt das sicherlich nicht, muss
    es ja auch gar nicht. Jeder Mensch ist verschieden und
    ich bin sicher, dass es gar nicht möglich ist, dass sich
    alle gleich gut verstehen. Klar kann man Kritik üben, aber
    halt nicht an Dingen, für die ein Mensch nichts kann. Und
    da sollte man schon einen Gang zurückschalten. Jeder macht
    Fehler und das ist auch gut so - wir sind alle nur Menschen.
    Sicherlich brauchst oder musst Du Dich nicht ändern. So
    wie Du schreibst (kenn Dich ja nur vom Blog :-)) passt das schon
    und wenn wer damit nicht klar kommt, dann halt nicht - ABER -
    ich bin sicher, dass dich die Meisten, so wie Du bist, total gerne mögen
    und Dich sehr schätzen.
    Ganz liebe Grüße, Christiane

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